Unser Rückführungsflug aus Kapstadt nach Frankfurt während Corona - mein Erfahrungsbericht


Hast du dich schon mal gefragt, wie so ein Rückführungsflug abläuft? Nie im Leben hätten wir gedacht, dass wir mal einen Flug der Regierung in Anspruch nehmen würden – ever!

Und weil einige von euch vielleicht noch auf ihren Flug warten und sich fragen, was auf sie zukommt, schreibe ich hier unsere Erfahrung für euch auf. Falls ihr nicht direkt in Kapstadt festsitzt: Südafrika hat zu dieser Zeit eine der strengsten Ausgangsverbote der Welt. In einem weiteren Post erzähle ich über unsere Zeit im Lockdown in Südafrika.


Dieses Jahr verbrachten wir unser Osterfest etwas anders, als wir es geplant hatten. An Ostersamstag wurden wir aus Kapstadt zurück nach Deutschland geflogen.

Die Nachricht, dass wir fliegen würden, erreichte uns am Freitagmorgen um 7 Uhr. Da wir mit Baby auf Reisen waren, wurden wir bereits ein paar Tage vorher schon einmal kontaktiert, um uns die Möglichkeit zu geben, einen der ersten Rückführungsflüge zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch einen regulären Lufthansa-Flug für Ende April sicher, also ließen wir uns auf eine Warteliste für einen der letzten Rückführungsflüge setzen. Ehrlich gesagt hatten wir es auch nicht so eilig nach Hause zu kommen wie manch anderer. Trotzdem füllten wir schon einmal die nötigen Formulare aus und informierten die Botschaft, wie wir zum Flughafen kommen würden. Wir mussten bestätigen, dass wir keinerlei COVID-19 Symptome aufwiesen und mit Untersuchungen einverstanden waren. Außerdem scannten wir unsere Reisepässe ein und gaben einen Notfallkontakt in Deutschland an.

Nur zwei Tage später fanden wir dann heraus, dass unser regulärer Flug gecancelt worden war, und insgesamt vier Tage nach dem letzten E-Mail Kontakt mit dem Generalkonsulat bzw. der Botschaft wurden wir erneut angeschrieben.

Dieses Mal teilte man uns mit, dass wir auf der Passagierliste für den Flug am Samstagabend um 22 Uhr standen. Im Anhang fanden wir ein .pdf mit den nötigen Informationen für den Abreisetag. Unser Flugticket wurde uns am Freitagabend direkt durch South African Airways zugeschickt. Dieses mussten wir weder ausdrucken, noch gab es einen online Check-in.

In dem .pdf wurden wir darauf hingewiesen, dass wir uns zu einem Sammelpunkt begeben mussten am Nachmittag der Abreise und unter keinen Umständen direkt zum Flughafen fahren durften. Die meisten Mietwagenfirmen nahmen die Fahrzeuge trotz des Lockdowns direkt an dem Sammelpunkt entgegen, wie wir später herausfanden. Für uns war das nicht mehr relevant, da uns eine Woche zuvor jemand in unseren Wagen gefahren war und wir daher kein Auto mehr hatten. Das war natürlich erst einmal ein Stressfaktor gewesen und so mancher Spaziergang zum Supermarkt wurde zu einer halben Wanderung mit Baby. Aber unsere Vermieter waren sehr fürsorglich und halfen uns immer aus, wenn wir das wollten.

Für die Fahrt zum Sammelpunkt musste man einen Passierschein mit sich führen, den man ausdrucken sollte und der sich ebenfalls im Anhang der E-Mail befand. Es handelte sich dabei um einen Brief des deutschen Botschafters an die Polizei. Dieser Passierschein sollte im Fall einer Polizeikontrolle auf dem Weg zum Sammelpunkt vorgezeigt werden. Er berechtigte einen also sozusagen sein Haus zu verlassen und sich für den Grund der Reise frei zu bewegen.

Wir waren so gesegnet, dass unser Vermieter uns zum Sammelpunkt fuhr. Er organisierte bei der örtlichen Polizeistelle sogar noch ein gestempeltes Dokument, in dem stand wen und wie viele Personen er wohin befördern würde. Somit war er abgesichert für den Fall der Fälle.

Wir wurden gebeten am Samstag, um spätestens 16 Uhr am Sammelpunkt einzutreffen. Da wir nicht wussten, ob wir von der Polizei unterwegs angehalten werden würden, fuhren wir bereits 2 Stunden vorher los. Die Fahrt selbst sollte laut Google Maps 45 Minuten dauern – wir hatten also mehr als genug Puffer eingeplant.

Ohne weitere Zwischenfälle kamen wir dann auch gegen 15 Uhr am Stadium in Kapstadt, dem Versammlungspunkt für die Rückzuführenden, an. Da wir Deutschen Pünktlichkeit lieben, standen natürlich auch schon um die hundert Passagiere an. Ein Mann in einer orangenen Sicherheitsweste mit einer Deutschlandflagge auf dem Rücken händigte uns ein Formular aus, welches wir später beim Gesundheitscheck abgeben mussten. Der freundliche Helfer aus dem Generalkonsulat in Kapstadt kam auch etwas später noch einmal auf uns zu, um uns einzuladen, uns ganz vorne in die Schlange einzureihen – eins der Benefits, wenn man ein Baby hat.

Um kurz nach 16 Uhr wurden dann die Tore zum Stadion hochgezogen und wir führten die deutsche Meute von fast 300 Reisenden an. Das ganze Reisegepäck war etwas unhandlich mitzuführen, aber ändern konnte wir das leider nicht. In der Tiefgarage des Stadiums waren am Rand entlang schwarze Kunststoffstühle im Sicherheitsabstand aufgestellt. Diese dienten als Wartezone für die Gesundheitsuntersuchung. Da wir die Ersten in der Schlange waren, konnten wir direkt bis zum Untersuchungsraum vorgehen. Dort wurden wir gefragt, wie es uns geht und ob wir bestimmte Symptome hatten in den letzten 14 Tagen. Dann wurde noch unsere Temperatur gemessen. Ich hatte das Baby dabei die ganze Zeit in der Trage, was überhaupt kein Problem war. Nach der 5-Minütigen Untersuchung wurden wir weitergeleitet durch eine Vorhalle, in der ein Lunchpaket und Wasser auf uns warteten. Die nächsten Stunden verbrachten wir dann in einem großen Raum sitzend und warteten auf unsere Busse.

Es gab leider keinen Raum zum Stillen und auch keinen Wickelraum, aber wir Mamas haben dann auf dem Boden gewickelt und ich habe in einer Ecke gestillt. Die Kleinen konnten ein bisschen krabbeln und alle 1-14-Jährigen wurden sogar noch zu Ostern von dem Team des Konsulats mit einer Osterüberraschung beschenkt. Zu unserer Freude gab es am gesamten Tag auch vegetarische Essenoptionen für uns.


Um 18:30 Uhr durften wir dann in den ersten Bus steigen. Wir sollten nicht nebeneinandersitzen und immer einen Platz frei lassen, auch wenn wir in einem Haushalt leben. Das machte unserer Ansicht nach nicht so viel Sinn, da wenig später diverse Fremde eng nebeneinander im Flugzeug saßen, da die Maschine bis oben hin voll war.

Die Fahrt zum Flughafen ging aber schnell und war unkompliziert. An der Autobahnausfahrt zum Flughafen wurden wir von der Polizei angehalten und der Fahrer kontrolliert. Direkt am Terminal wartete wieder Polizei. Es war etwas gewöhnungsbedürftig den Flughafen so halbdunkel und menschenleer zu sehen. Aber vor Ort war alles sehr gut organisiert und wir wurden direkt zum Check-in durchgeführt. Auch gab es noch die Möglichkeit, die Sitzplätze zu tauschen und nach einer schnellen und unkomplizierten Sicherheitskontrolle fanden wir uns schon nach 10 Minuten am Gate wieder.


Dort machten wir es uns gemütlich und warteten die nächsten zwei Stunden auf das Boarding. Wieder einmal genossen wir den Baby-Bonus und eröffneten das Einsteigen ins Flugzeug. Meinen ersten kleinen Schock-Moment erlebte ich kurz vor dem Betreten des Flugzeuges als ich Menschen mit weißen Mondanzügen und Gesichtsmasken diskutieren sah, ob wir schon einsteigen dürften. Die Menschen in den Schutzausrüstungen wirkten wie die Spurensicherung. Gleichzeitig stellte ich mir vor wie sie das gesamte Flugzeug mit großen Gasflaschen desinfizieren. Es stellte sich aber heraus, dass es sich um die Crew handelte, die in dieser Montur den Service an Board durchführen würden. Die gesamte Crew arbeitete auf freiwilliger Basis. Und auch wenn der Service auf unserem 12-Stunden Flug etwas spärlicher ausfiel als sonst, den Turbulenzen nach dem Start und vor der Landung geschuldet, so waren sie doch stets im vollen Einsatz und lächelten mit ihren Augen.


Ich persönlich habe in einem Flugzeug noch nie so gut geschlafen und auch wenn 10 kg Liebe auf mir schliefen (wie wir unser feistes Baby manchmal liebevoll betiteln), so wachte ich doch recht erholt über dem Himmel von Europa auf. Direkt nach der Landung dankte der Pilot jedem einzelnen der Crew namentlich und die fast 300 Passagiere klatschten und jubelten Beifall. Kurz vor dem Ausstieg gab es dann noch einen kleinen Schreck-Moment, als eine Dame vom Gesundheitsamt verkündete, dass das Aussteigen heute besonders geordnet und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, ablaufen sollte: Es könnten immer nur vier Personen aussteigen mit anschließender 4-minütiger Wartezeit! Ein entsetztes Raunen ging durch das Flugzeug. Schnell rechneten wir uns aus, was das für uns in Reihe 50 bedeutete, nämlich 10 Extrastunden Wartezeit!!! Wir waren dankbar, dass die Dame das Ganze noch einmal auf Englisch wiederholte und sich darin korrigierte. Es durften stets 40 Personen auf einmal das Flugzeug verlassen. Die Wartezeit kam uns nicht lange vor.


Bei der Passkontrolle zeigten wir noch ein weiteres Formular für das Gesundheitsamt vor, das wir während des Fluges ausgefüllt hatten. Dies diente lediglich der Kontaktdatensammlung im Fall, dass jemand an Board COVID-19 hatte.

Auch die Gepäckausgabe verlief unkompliziert, musste man dort auch den Sicherheitsabstand von 2 Metern einhalten. Der Flughafen in Frankfurt war wie leergefegt. Wir fühlten uns ein bisschen wie der Teil einer großen Pauschalreisen-Reisegruppe.


Noch ein paar Infos für Reisende mit Babys: Ihr braucht euch wirklich keine Sorgen zu machen. Die ganze Rückholaktion dauert natürlich etwas länger als ein selbst organisierter Rückflug, auch ist für viele von euch wahrscheinlich Frankfurt oder München auch nicht die Endstation, aber überall auf dem Weg gibt es hilfsbereite Hände und Herzen. Eure Flugtickets könnt ihr auch als Bahntickets verwenden und die Mietwagenstationen bieten einen schnellen Service und haben auch genug Autos für die Weiterfahrt. Wenn ihr auf dem Flug selbst ein Baby-Bett wünscht, dann könnt ihr das direkt am Flughafen anmelden. Unser Baby hat super gut (auf mir) geschlafen und ist ein fantastischer Reisebegleiter. Natürlich kam auch er einmal an den Punkt, wo ihm alles zu viel wurde, aber ein bisschen Kuscheln mit Mama beruhigte ihn schnell. Auch die anderen Familien waren entspannt: Nicht nur die Eltern, auch die Kinder. Und auch wenn Sondergepäck eigentlich nicht transportiert werden kann, so können Kinderwagen dennoch problemlos aufgegeben werden.


Alles in allem eine super Aktion. Jetzt warten wir nur gespannt auf die Rechnung!



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